Armamsamsam Aramsamsam Gulli Gulli Gulli Gulli Ramsamsam

Daraus besteht der pädagogische Alltag. Oder!?

Ich weiß nicht wie viele Berufsfelder es gibt, in denen die Arbeitnehmerinnen so sehr dafür kämpfen müssen, zu erklären, warum es sich bei ihrer täglichen Arbeit wirklich um Arbeit handelt.
Als ich während meines Studiums in einem Kindergarten gearbeitet habe, habe ich häufig die Schlafgruppe übernommen – also die Kleinsten schlafen gelegt, dann wieder geweckt, angezogen und wieder zurück in die Gruppe gebracht, in der das Mittagessen wartete. Meine Freunde lachten häufig darüber, dass mein Job einen Mittagsschlaf beinhaltet. 
Ja, zugegebenermaßen hatte ich hier und da auch die Möglichkeit, mal in ein Buch zu gucken und ab und zu waren auch meine Augen mal für ein paar Minuten geschlossen. 
Aber an den meisten Tagen hat mich dieser Mittagsschlaf fertig gemacht.

Fünf zwei- oder dreijährige, die gerade noch im Gruppengeschehen aktiv waren, die vollkommen aufgekratzt sind, die überhaupt nicht verstehen, warum sie eigentlich jetzt schlafen sollten und vor allem, die keineswegs Lust darauf haben, als die „Kleinen“ angesehen zu werden. Diesen wilden Haufen erstmal überhaupt einzusammeln, in den extra Raum zu bugsieren und dann in irgendeiner Weise für Ruhe zu sorgen – Anstrengend!

Die Diskussionen, wer heute überhaupt wo schlafen darf beginnen nachdem sich zunächst ausgiebig über den neuen Eisköniginnen Schlafanzug gefreut wurde. Der einzige Junge weint, weil der Cars Schlafanzug einfach nicht genug gewürdigt wird – Puh.

Irgendwann liegen sie dann alle mehr oder weniger in den richtigen Betten und das Gekichere beginnt. Hihi Anna hat gepupst.

Wenn sie von der eigenen Aufregung dann so erschlagen sind, dass endlich alle Äuglein geschlossen sind und alle im Land der Träume angekommen sind, vibriert der Timer, um daran zu erinnern, dass das Wecken langsam beginnen muss. Oh no!
Keins der Kinder, die vor Kurzem noch geschworen haben, nicht im Ansatz müde zu sein, macht auch nur die geringsten Anstalten, durch ein sanftes Streicheln aufzuwachen. Auch ein leichtes Rütteln bleibt erfolglos. Der Blick auf die Uhr – Stress.

Dann, nach und nach sitzen alle mit einer gehörigen Portion Schlaf in den Augen auf ihren kleinen Betten und bitten darum, beim Anziehen Hilfe zu bekommen. Sollen sie das nicht allein lernen? Wie viel Zeit bleibt noch bis das Essen beginnt? Nico braucht immer so lange, er schafft das niemals rechtszeitig allein.
Die Mädchen werden motiviert und schaffen es – auch wenn das T-Shirt auf links gedreht ist und die Strumpfhosen vertauscht sind – und Nico bekommt Hilfe. Er kann seine Augen nicht öffnen und tappst trotzdem in Richtung der Schuhe. Er schafft es nur einmal hinzufallen und mit fünf Minuten Verspätung erscheinen alle zum Mittagessen – Glück gehabt.

Nach meiner Erfahrung ist eines der größten Probleme von pädagogischen Fachkräften und Lehrerinnen die Selbstkontrolle in belastenden Situationen.
Wer in einem Büro arbeitet, gestresst ist und die Fassung verliert, der sorgt eventuell dafür, dass ein Geschäft platzt oder auch dafür, dass ein Drucker durch lauter wütendes Hämmern kaputt geht. In Kitas und Schulen geht es aber nicht um Geld oder technische Geräte, es geht um die Seelen junger Menschen.

Ich kann nicht annähernd aufzählen, wie oft ich in meiner Arbeit als Integrationsassistentin mit einer frühkindlichen Autistin schreien, sie am Arm packen und schütteln oder einfach nach Hause gehen wollte. Es kostet ein wenig Überwindung diese Gefühle zuzugeben, aber es war so. Die Arbeit war neben allen Herausforderungen und meinem nebenbei bemerkt extrem jungen Alter unglaublich toll und ich hatte das Mädchen so wahnsinnig gern, aber es war Schwerstarbeit. 
Hinzu kam ein weiteres Problem, welches ich im Laufe meiner pädagogischen Arbeit an so vielen Stellen beobachtet habe: Ich war allein.
Klar, ich hatte die Lehrkräfte in der Klasse, doch auch die hatten so gut wie keine Erfahrung wie Inklusion zielführend gestaltet werden sollte und mit frühkindlichen Autist*innen kannte sich sowieso niemand aus. Sie waren froh, dass ich da war, um das Meiste abzufangen und den halben Tag mit dem Mädchen irgendwo auf dem Schulgelände unterwegs war. Selbst auf die Toilette habe ich sie mitgenommen, weil alle Beteiligten Sorge hatten was passiert, wenn ich sie allein lasse. 
Ja, ich hatte auch einen Vorgesetzten bei dem Träger, der die Maßnahme betreute, doch den erreichte ich selten. Darüber habe ich mich teilweise so sehr aufgeregt, bis ich nach meinem Studium selbst als Teamleitung bei diesem Träger arbeitete – der Wahnsinn. 
Wir Teamleitungen trugen die Bezeichnung „Einsatzleitung“ und ganz ehrlich, das Gefühl die Feuerwehr zu sein, hatten wir alle.
Mein Ziel war es vor dem Eintritt in diesen Job, immer für mein Team da zu sein, so oft wie möglich vor Ort zu hospitieren und sie bei allem zu unterstützen, was ging. Weil ich wusste, wie sie sich fühlten. Aber das war utopisch. Die Telefone klingelten ab 7:30 Uhr am Morgen, und es ging darum, erkrankte Mitarbeitende an ihren Einsatzorten durch Springer*innen zu ersetzen. Welche Springer*innen kennen welches Kind? Wer wohnt in der Nähe der Schule? Wessen Dienstplan passt heute zum Stundenplan welcher Klasse? Es hatte etwas von Tetris, nur dass man regelmäßig von unzufriedenen Schulleitungen zu hören bekam, dass das heute leider gar nicht gut gelaufen sei. 
Über diese Schulleitungen oder auch Lehrkräfte ärgerte ich mich teilweise, bis ich anschließend selbst in der Jugendhilfe an der Schule arbeitete. Diese Position fand ich im Grunde sehr dankbar, weil ich mir endlich mal Zeit nehmen konnte für das, was wirklich der Inhalt meiner Arbeit war: Die Gespräche mit den Schülern und Schülerinnen.
Doch an diesem Arbeitsplatz, der Institution Schule ergaben sich Schwierigkeiten, die ich mir vorher so gar nicht ausmalen konnte. Das Spannungsfeld zwischen Schule und Jugendhilfe, obwohl beide Professionen doch eigentlich in dieselbe Richtung arbeiten sollten, war enorm. 
War man nun Anwalt des Kindes und nahm in Kauf von der Schule kritisiert zu werden? Oder tat man was die schnellste Lösung war, unterstützte Sanktionen und nahm damit in Kauf den eigenen Wertevorstellungen zu widersprechen?
Und wie gestaltet sich eigentlich die Zusammenarbeit mit dem Kollegium?
Lehrer*innen – Die haben sich die Arbeit ja sowieso nur ausgesucht, weil sie 13 Wochen Ferien haben – So ein Quatsch!
Wenn wir mal an einem Tag wirklich sechs Schulstunden lang von Klasse zu Klasse rannten, in den Pausen auch eigentlich noch Kinderschutzfälle bearbeiten und Projekte planen sollten, dann stellte ich wirklich um 13:15 Uhr fest, dass ich es nicht geschafft habe auf die Toilette zu gehen oder geschweige denn in ein Brot zu beißen.
In Büros hört man als externe Anrufer*in auch mal, dass Kollege XY  „gerade nicht am Platz“ ist. Wenn sich zwei 14 – jährige prügeln und anschließend eine Mathearbeit geschrieben wird, dann hat man keine andere Wahl, als am Platz zu sein.

Was will ich damit sagen?

Ja, ich weiß wie verdammt anstrengend die Arbeit in pädagogischen Berufen ist. Ganz egal ob in Kitas, in der Sozialen Arbeit oder an Schulen: Das Personal steht unter so enormem Druck, leidet beinahe chronisch unter Personal- und Zeitmangel, bekommt oft viel zu wenig professionelle Unterstützung, aber soll bitte immer richtig, schnell, wirksam, zielführend, sensibel, fair und eben pädagogisch wertvoll arbeiten.
Die Arbeit, auch die furchtbarsten Kinderschutzfälle, dürfen bitte nicht mit nach Hause genommen werden, denn hey, ab Mittag ist doch Feierabend. Oder?
Ach nein, dann kommen ja auch die eigenen Kinder nach Hause und erwarten, dass Mama Essen macht, bei den Hausaufgaben hilft, bevor dann endlich der Abend genossen werden kann. 
Dann kommt auch noch (Achtung, völlig eingestaubtes Klischee) der Mann nach Hause, der ja wirklich einen anstrengenden Job hat und sich jetzt nicht mehr um den Abwasch kümmern kann. Also wird das auch noch erledigt.
Nebenher ist man natürlich eine fürsorgliche Ehefrau, eine gute Freundin und geht mindestens zweimal in der Woche joggen oder ins Fitnessstudio. 

Ihr merkt ich übertreibe hier an einigen Stellen vielleicht und bediene mich der typischen Rollenbilder und aller Vorurteile. Aber auch wenn man keine Kinder hat, der Ehemann oder die Ehefrau sich ebenso um die Kinder und den Haushalt kümmert und sowieso so toll wie nur irgendwie möglich ist, so ist Stress gerade in der aktuellen Zeit eine Begleiterscheinung des pädagogischen Berufsalltags, der sich kaum jemand entziehen kann.

Warum erzähle ich das? Warum habe ich diesen Text geschrieben?
Zum einen vielleicht, um zu zeigen, dass niemand sich in einer solchen Situation allein fühlen sollte, weil es vielen Pädagog*innen so geht.
Und zum anderen weil ich genau deshalb das mache, was ich mache. Aus diesem Grund ist es mir wichtig, pädagogische Fachkräfte in ihrem Alltag zu unterstützen – sowohl fachlich als auch persönlich.
Das Berufsfeld ist so komplex und insbesondere an Schulen geht die Unterstützung von extern gegen Null und das passt doch irgendwie nicht zusammen.