„Das wird nicht funktionieren.“ 
„Er kann das nicht.“
„Das geht mit ihr auf keinen Fall.“
Hand hoch, wer hat so einen Satz schon mal gesagt?

Meistens behält man mit solchen Aussagen ja sogar Recht und kann dann im Anschluss ganz stolz so etwas sagen wie: „Ich hab’s ja gesagt.“
Aber ist das eine sinnvolle Art und Weise mit Kindern zu arbeiten? Würde es uns schaden, positiver zu sein und an die Kinder zu glauben?

Meistens ist es ja so: Die Erfahrung zeigt uns, dass es nun mal Kinder gibt, mit denen alles irgendwie schwieriger ist. Bei Ausflügen benehmen sie sich daneben, sie vergessen regelmäßig ihre Materialien und schaffen es nicht ruhig auf dem Stuhl zu sitzen, wenn es gefordert ist. Aber woran liegt das?
Haben wir dieses Verhalten beobachtet und sprechen es deshalb auch aus?
Oder haben wir unsere Vermutungen zuerst ausgesprochen und anschließend das Verhalten beobachtet?
Das Huhn oder das Ei?

Ganz so schwierig ist es nicht, denn tatsächlich haben wir meistens Gründe für unsere Annahmen und Aussagen wie die oben genannten. Aber wenn wir solche Sätze sagen – vielleicht sogar vor den Kindern – tragen wir nicht zur Besserung bei.

Wahrscheinlich hast Du auch schon mal gehört, dass unsere Taten unseren Gedanken folgen und genauso verhält es sich auch in diesem Zusammenhang. In den wenigsten Fällen haben die Kinder wirklich die Möglichkeit uns vom Gegenteil zu überzeugen, denn selbst wenn sie dann doch etwas schaffen, was ihnen nicht zugetraut wurde, besteht die Gefahr, dass wir es nicht so wahrnehmen – weil wir die Möglichkeit dazu gar nicht in Betracht ziehen.
Bei den Aussagen wie „Das wird nicht funktionieren.“ ist es recht deutlich, dass sie nicht ganz optimal gewählt sind. Es gibt allerdings auch Aussagen, die einen ähnlichen Effekt haben, die aber viel subtiler sind und unsere negativen Gedanken und niedrigen Erwartungen dennoch reproduzieren:

„Mach deine Hausaufgaben, damit du nicht sitzenbleibst.“

Welche Vorstellung von einer möglichen Zukunft wird durch solch eine Aussage in den Kopf des Kindes oder Jugendlichen projiziert?
Die, dass die nächste Klasse erreicht wird oder doch eher die, dass das Sitzenbleiben recht wahrscheinlich ist?
Da die Option der Versetzung hier keine Erwähnung gefunden hat, malen wir leider ein negatives Bild der Zukunft und verankern dieses auch in der Vorstellung des Kindes oder Jugendlichen.
Und was passiert dann? Vermutlich wirken wir sehr demotivierend und die Chancen auf die Versetzung werden eher kleiner als größer.

Alternativ könnten wir auch sagen:
„Mach deine Hausaufgaben, dann schaffst du die Versetzung.“

Merkst Du es?
Das klingt doch schon viel zuversichtlicher und hoffnungsvoller!

Es sind also nicht immer nur die ganz offensichtlichen Dämpfer, die wir erzeugen, wenn wir ganz direkt sagen, dass wir nicht an die Kinder und Jugendlichen glauben. Es können auch die impliziten Aussagen sein, deren Wirkung wir uns überhaupt nicht bewusst sind, aber die eine enorme Wirkung bei den Empfänger*innen haben.

Die eigene Sprache immer wieder selbst zu reflektieren ist wichtig, aber nicht immer einfach. Manchmal kann ein Perspektivwechsel durch Kolleg*innen oder Expert*innen notwendig sein, um Muster zu erkennen und zu bearbeiten.

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